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Jedem, der sein Herz an Boutique-Pedals verloren, aber trotzdem Bauchschmerzen bei den teils unfassbar teueren Preisen hat, versucht die Effektboutique gerade zu helfen.

Summer Sale2 in Effektboutique startet Rabattaktion

Bis Ende August sind dort einige High-End Pedale recht günstig zu ergattern, so ist z.B. ein Z.Vex Ringtone um 50 € reduziert, auch exotischere Pedals wie Moody Sounds sind günstig erhältlich.

Summer Sale bei Effektboutique.de

Listen to our Snifty Tunes: Electro Cloudcast on Mixcloud at http://i.mixcloud.com/CBDaA

OTO Machines ist eine kleine Firma, deren erstes Werk, der OTO Biscuit auf der Musikmesse gleich einige Wellen geschlagen hat. Der Biscuit ist ein Bitcrusher, der vollgespickt ist mit Features. Die AD/DA Wandlung erfolgt, wie es sich für die Sparte gehört, in Low-Fi mäßigen 8 Bit.  Der Trick, den OTO zum crushen verwendet unterscheidet sich grundsätzlich von anderen Crushern, die eher wie ein Verzerrer mit steigendem Gain das Signal stärker zerstören, oder fixe Presets haben. Stattdessen kann man mit den acht Tastern jedes einzelne Bit manipulieren: Entweder muten, oder invertieren. Wenn einem das darin enthaltene Zerstörungspotential nicht reicht, gibt es auch noch eine Sektion für klassisches Diodenclipping. Und um alles richtig schön saftig und fett klingen zu lassen, gibt es noch eine Analoge Filtersektion. Und außerdem noch Effekte: Delays, Waveshaper, Step Sequencer etc. pp. Der Biscuit ist außerdem Stereo ausgelegt, und per Midi ansteuerbar. Die Featureliste ist also schon mal vollgepackt.

Biscuit1r in Oto Biscuit Bitcrusher

Auch haptisch ist der OTO Biscuit extrem ansprechend: Ein schlichtes Schwarzes Design mit sechs Potis und elf gummierten, mehrfarbig beleuchteten Tastern. Acht davon erlauben den Zugriff auf die Bits, aber auch auf verschiedene Effekte und Presets. Je nach Zustand können sie in weiß, rot oder grün leuchten.

Teaser Youtube in Pedal-Demos: Gearmanndude, Ohnoho, Mountainking

Youtube

Mit zu den schönsten Freuden, die man sich als effektbegeisterter Mensch so machen kann, gehört ein ausgedehnter Ausflug auf Youtube, um Pedal-Demos all der schönen Geräte anzusehen, die man sich daraufhin kaufen wollen wird.  Neben vielen eher ernsten Pedal-Demos, die vor allem nüchtern die Funktionen der einzelnen Geräte vorführen sollen (eine besondere Empfehlung in dieser Kategorie an die Kollegen von Proguitarshop.com), gibt es auch den einen oder anderen Lichtblick der unterhaltsameren Art.

Es geht doch: Etwas Gutes noch besser zu machen ist möglich. In diesem Fall das Danelectro BLT Slap Echo. An sich schon ein netter kleiner Effekt, den ich immer gern gespielt habe, der aber nur in relativ engen Grenzen funktioniert hat. Deswegen war es auch immer das BLT, das als erstes in diverse Feedback-Loops, etwa das vom Chk Chk Boom, kam, das vom Booster angeblasen wurde usw usf. Alles leider ohne nennenswerten Effekt. Bis ich das “Starve” von Properboy ausprobiert habe. Siehe da, plötzlich tat das brave BLT, was es noch nie getan hatte: es modulierte und nahm unendliche Samples auf, die zwar harscher Noise waren, aber darum nur umso willkommener. Einziges Problem: das “Starve” brauche ich eigentlich für eine andere Anwendung, außerdem wollte ich nicht noch eine kleine Box auf dem Board haben.

Also habe ich Steve von Properboy gefragt und er hat mir netterweise auch für den dümmsten annehmbaren Elektronikfrickler erklärt, wie sein Starve funktioniert. Aber, dachte ich, wen ich schon in dem Gerät rumlöten will, dann bitte auch fortissimo. Also flugs im Netz geschaut, was sich so an Mods finden lassen. Hier hat ein User den anderen Mod gepostet, den ich eingebaut habe. Ein einzelner Widerstand wird durch einen Poti ersetzt und schon hat man einstellbare und vor allem längere Delayzeit. Soviel zur Theorie, nun zur Praxis:

IMG 1353-200x300 in DIY: Danelectro BLT Slap Echo modifizieren

Gutshot Danelectro BLT Power Starve Mod

Die erste Mod: das Power Starve:

Man braucht ein 10K lineares Poti, zwei Kabel und einen Widerstand, um das Starve nach unten zu begrenzen. Ich habe 15K genommen, das müsste auf etwa 5-6 Volt herauskommen, ich habe nämlich festgestellt, das beim “Starve” von Properboy doch noch viel Spiel nach unten war. Auf der Platine des BLT wird nun die Stromzufuhr lokalisiert. Das ist einfach, man kennt ja den Stecker, wo der Adapter reinkommt. Das ist dann ein ziemliches Gewusel, wegen dem Batterieanschluss, aber es gibt nur eine Stelle, wo der Strom dann in ein richtiges Bauteil fließt. Mit einem scharfen Messer schneidet man hier den Leiter durch. (Acht geben, dass sonst keine Schäden entstehen!) Auf beiden Seiten der Schnittstelle entfernt man mit etwas Schleifpapier den Platiküberzug von dem Leiter und legt das Kupfer frei. Hier platziert man jeweils einen guten Knödel Lötzinn und lötet je ein Kabel fest. Die Kabel führen zum Mittleren und einem der äußeren Kontakte am Poti. Fertig ist das eingebaute Power Starve! Will man noch eine Untergrenze setzen, geht das indem man einen Widerstand zwischen beide Kontakte am Poti lötet. Übrigens haben die Potis wunderbar Platz an der Stelle, wo sonst die Batterie hin kommen würde, wie man sehen kann. Man braucht ohnehin eine konstante Stromversorgung für ein Power Starve. Eine zur Neige gehende Batterie zu simulieren, wenn tatsächlich eine Batterie zur Neige geht, das ergibt wohl wenig Sinn.

IMG 1356-300x200 in DIY: Danelectro BLT Slap Echo modifizieren

Gutshot Danelectro BLT Delay Mod

Die zweite Mod: lange Delay-Zeit:

Das ist ein bisschen schwieriger: Man benötigt einen 50K lineares Poti, Kabel und einen Widerstand irgendwo zwischen 150 und 220 Ohm. Ich habe 180 genommen. Verkabelt wird die ganze Chose so: Am Poti kommen zwei lange Kabel an die äußeren Kontakte, der mittlere wird mit einem kurzen Kabel an einem der äußeren angeschlossen. Nun muss man auf der unteren Platine des BLT einen Chip finden. Wenn man die Platine mit den Reglern nach unten halt, ist der Chip oben rechts. An einem der rechten Beinchen befindet sich ein klitzkleiner Widerstand mit der Nummer 682. Die Lötstellen erhitzt man und schiebt den Widerstand mit dem Löteisen von der Platine. Hier muss ein Kabel von dem Poti und der Widerstand hin. Am besten bohrt man dazu kleine Löcher in die Kontaktstellen und lötet dort rein, wie es bei einer Steckplatine gemacht wird. Ich habe es ohne Bohrlöcher gemacht, aber das war nervtötend, weil diese maschinell gefertigten Platinen doch ziemlich eng sind. Letzen Endes führte es dazu, dass ich das Kabel direkt an den Chip gelötet habe. Weil ich dabei aber zwei Beinchen des Chips zusammengelötet habe, kam erstmal gar nix mehr. Ich musste also von dem Chip das eine Beinchen kappen. Jetzt geht’s. Das Kabel zu außen und Mitte am Poti kommt übrigens auf die Chip-Seite, auf der anderen Seite kommt der 180Ohm Widerstand rein, das andere Ende des Widerstands wird mit dem anderen Kabel zum Poti verbunden.

Fertig!

Danelectro BLT Modded Demo from Mick Schulz on Vimeo.

Teileliste:

  • 10K lin Poti (9mm)
  • 50K lin Poti (9mm)
  • 15KOhm Widerstand
  • 180Ohm Widerstand
  • Kabel

CIMG2438-192x300 in Review: OHNOHO Pedals

OHNOHO Chk Chk Boom

Oh no! They’re alive! – Oh nein, sie leben! Tatsächlich kommt man um Assoziationen von Frankensteins Monster oder Metropolis, auf jeden Fall von der lebendigen Maschine kaum herum, wenn man die Effektgeräte von Ohnoho spielt. Die drei Treter haben vor allem eins gemeinsam: ihre Launenhaftigkeit und Unberechenbarkeit. Allen liegt zwar eine einfache Idee zugrunde, die bei Ohnoho jedoch so weit getrieben wird, wie sonst kaum.

Die Geräte, mit denen Ohnoho bekannt wurde, sind Feedback Looper. Das Chk Chk Boom ist ein relativ normales Feedback-Pedal. Es hat neben dem üblichen Ein- und Ausgang noch einen Effekt-Loop, in dem sich die “Munition” des Chk Chk Booms befindet. Denn die Effekte im Loop werden durch das Chk Chk Boom mit ihrem Ausgangssignal erneut gefüttert, sie werden in eine Rückkopplung gebracht. Je nachdem, welcher Effekt oder welche Kombination von Effekten im Feedback-Loop stecken, kann das sehr unterschiedliche Auswirkungen haben. Die meisten Verzerrer fiepen zum Beispiel, genau wie bei einer normalen Rückkopplung zwischen Lautsprecher und Tonabnehmer. Viele Delays haben je nachdem erst längere Wiederholungen und beginnen ab einer bestimmten Intensität der Rückkopplung damit, zu oszillieren und verhalten sich wie eine Drone Box. Ähnliches gilt auch für Filter, die man mittels Feedback prima in monophone Syntheziser verwandeln kann. Kurz, mit dem Chk Chk Boom bekommt jedes Effektgerät, das man besitzt, plötzlich eine zweite, manche auch noch eine dritte Funktion dazu. Die meisten dieser neuen Funktionen sind sehr krachig und sehr, sehr spaßig.

Übrigens unterscheidet sich das Chk Chk Boom von anderen Feedback Loopern vor allem durch den Fußschalter. Denn der ist beim Chk Chk Boom als momentaner Schalter ausgelegt, sodass das Feedback nur aktiv ist, wenn man drauf steht. Der Effekt im Loop funtioniert ansonsten normal. Als Optionen sind bei Ohnoho auch ein Kippschalter, um den Loop stumm zu stellen, und ein Fingerschalter für den Betrieb auf dem Tisch erhältlich.

Ohnoho Chk Chk Boom Demo from Mick Schulz on Vimeo.

Der größere Bruder des Chk Chk Boom heißt Utter Stutter und ist auch ein Feedback-Looper, dieser aber mit der Funktion, wie ein Tremolo rhythmisch an- und auszugehen. Was beim Chk Chk Boom also noch eine Noise-Box wurde, wird jetzt einfach zur Noise-

CIMG2500-540x421-300x233 in Review: OHNOHO Pedals

OHNOHO Utter Stutter

Drum-Machine. Das Spektrum reicht von sehr langsam bis zu so schnell, dass der Loop beinahe wie beim Chk Chk Boom steht. Das ist mit einem groben und einem feinen Regler sehr genau einstellbar, um so auch das Zusammenspiel mit anderen Rhythmusgebern oder Samples zu ermöglichen. Das Utter Stutter hat einen momentanen und einen normalen Fußschalter und einen Anschluss für ein Expression-Pedal, mit dem die Geschwindigkeit kontrolliert werden kann. Wenn man keinen Effekt im Loop hat, kann man das Utter Stutter übrigens auch als Tremolo benutzen.

Es ist aber nicht leicht, zu erlernen, was im Feedback-Loop miteinander harmoniert und was nicht. Die schnellsten Ergebnisse sind sicherlich mit einzelnen Effekten, vor allem Delay und Modulationseffekten zu erzielen, ich benutze am liebsten mein Digidelay, wie man im Video sehen kann. Mehrere Effekte im Loop verhalten sich oft merkwürdig und können sich auch gegenseitig ausbremsen. Lawrence von Ohnoho, der bei Fragen gerne hilft, hat allerdings ein Patentrezept: “Einfach ausprobieren!”

Ohnoho Utter Stutter Demo from Mick Schulz on Vimeo.

Schließlich gibt es seit Anfang des Jahres den dritten Sproß der Ohnoho-Familie: Das Blowing Up ist ein Clean Boost. Was jetzt erstmal unspektakulär klingen mag, reiht sich gut in die restliche Produktpalette ein, wenn man bedenkt, dass das Blowing Up seinem Namen alle Ehre macht, denn es jagt wirklich alles dahinter geschaltete in die Luft mit den 40-80 Dezibel, die es produziert. Clean Boost ist also ein ziemlicher Scherz, denn ein Verstärker mit so viel Headroom müsste erstmal gebaut werden. Tatsächlich funktioniert das Blowing Up wie ein Verzerrer, einfach weil die Eingangsstufe von allen nachfolgenden Geräten überlastet wird. Je nachdem, wie die Geräte dahinter gebaut sind, können so die wunderbarsten Zerrtöne entstehen. Besonders viel Freude hatte ich an meinem alten Marshall Valvestate, denn die Verbindung aus überlastetem Vorverstärker und eingebautem Chorus, der auch nicht mehr klarkam, war ein wahrer Ohrenschmaus. Ich würde der Konstruktion den Arbeitstitel “Synthie of Doom +2” geben. Apropos Doom, besonders aufgefallen ist mir der Bass vom Blowing Up. Auch bei meiner heruntergestimmten Gitarre kam ein sehr brauchbarer, klarer Bassbereich an. Leider habe ich keinen verfügbar, sonst würde ich zu gerne einen Matamp oder Sunn 0))) Verstärker mit dem Blowing Up anblasen, das wäre ein kapitaler Doom-Spaß!

Ohnoho Blowing Up Demo from Mick Schulz on Vimeo.

Ohnoho bauen die Effekte übrigens in Kleinserien, die jeweils ein anderes Äußeres bekommen. Auch Einzelstücke gibt es. Die Geräte sind also auch für den Sammler enorm reizvoll.

Wie bitte, was? Genau. Ein Overheadprojektor. Schäbig, grau und alt. Mit einer Folie auf Rollen, die man hin und her Kurbeln kann. Und bunten Folienstiften. Der Albtraum ganzer Schüler- und Studentengenerationen.

Overhead-Projector-Composes-Music in Der Overheadprojektor als Sequenzer

Als Sequenzer, beziehungsweise als Controller. Wie das Funktioniert? Die Folie ist die Timeline, die mit den Kurbeln vor und zurück gespult werden kann. Mit den Stiften malt man die Melodien, jede Farbe ein Instrument oder eine Oktave. Als Hilfe liegt unter der Folie fest ein Raster, mit dem man Tonhöhen und Abstände bestimmen kann. Die Oberkante des Projektors ist die Abspielposition, wird die Folie also nach oben bewegt werden die gemalten Sequenzen abgespielt.

10.05.2010

Steampunk Synthies

Nach dem Omnichord-Artikel hat mich ein Leser auf die Seiten von Folktek und Arius Blaze hingewiesen, die in ihren Circuitbending-Versuchen auch Omnichords gemoddet haben. Insgesamt zeichnen sich die Folktek / Arius Blaze Geräte durch ein wunderbares Steampunk Flair aus. Die meisten der hübschen Holz-und-Messing Kästchen sind Drone- und Noiseboxes, basierend auf Delays und simplen Oszillatoren mit Berührungssensitiven Steuerungen. Keyboards gibt es nicht, dafür berührungssensitive Messingplättchen, lose Drähte und Potis. Zwei bis drei der Custom-made-Boxes, unter anderem ein irgendwie dem Impressionist Drum Scape ähnlichen Noise/Drumsynthie durfte ich mal bei einem Folk (ja, Folk!) Konzert bewundern, bei dem eine Mischung aus Waldschrat und verrücktem Professor damit wunderbare Soundlandschaften, inklusive Solo zauberte… Kurz, sie klingen mindestens so gut wie sie aussehen. AriusBlaze in Steampunk Synthies

Aber das sind nicht die einzigen Steampunk-Synths…

Ssssss in Montreal Assembly / Sonic Crayon: Wunderbare Effekte aus Kanada

Schon mal überlegt, warum nur so wenig wirklich neuartige Effekte herauskommen? Die großen Hersteller lassen sich natürlich von einem Markt leiten, der Vintage haben will, da ist kein Raum für Innovation. Außerdem ist die Beschränkung vieler Boutiquehersteller auf analoge Effektgeräte ein Problem. Analog ist zwar einfacher zu bauen, aber eben auch sehr limitiert.

Aber Augen auf, auch in dem Heuhaufen der Kleinstschmieden für Effektgeräte kann man Nadeln suchen. Dann finden sich gleich zwei in der selben Ecke, nämlich in Montreal. Nur wenige Straßen voneinander entfernt programmieren, löten und schrauben Scott Monk von Montreal Assembly und Etienne Blythe von Sonic Crayon ihre Gerätschaften zusammen, die zumeist so vor Kreativität strotzen, dass man ihnen mit den üblichen Effektgerätkategorien kaum beikommt. Das liegt auch daran, dass beide voll auf digitale Technik setzen….

Bei einem Konzert der Band Royalchord bin ich auf ein ziemlich abgefahrenes Instrument gestoßen, das laut den beiden Australierinnen in den USA gar nicht so selten ist: Das Suzuki Omnichord.  Es handelt sich dabei ungefähr um die Kreuzung der klassischen Casio-Tischhupe mit einer Autoharp. Autoharp? Die Autoharp ist eine Weiterentwicklung der Zither, die in den USA im Country sehr verbreitet ist: Mit Knöpfen kann man über ein Hebelsystem einfach alle Saiten bis auf den gewünschten Akkord abdämpfen, und den Rest dann anschlagen. Kurz: Von jedem Anfänger mit halbwegs Rhythmus-Gefühl einfach spielbar. Bekannt ist die Autoharp hier vielleicht aus dem Film „Walk the Line“. June Carter, die Ehefrau von Johnny Cash, war ziemlich gut mit der Autoharp – und hat angeblich „Ring of Fire“ darauf komponiert.

Om36 in Vintage & Pawn-Shop: Suzuki Omnichord