26.04.2010

Vintage & Pawn-Shop: Suzuki Omnichord

Bei einem Konzert der Band Royalchord bin ich auf ein ziemlich abgefahrenes Instrument gestoßen, das laut den beiden Australierinnen in den USA gar nicht so selten ist: Das Suzuki Omnichord.  Es handelt sich dabei ungefähr um die Kreuzung der klassischen Casio-Tischhupe mit einer Autoharp. Autoharp? Die Autoharp ist eine Weiterentwicklung der Zither, die in den USA im Country sehr verbreitet ist: Mit Knöpfen kann man über ein Hebelsystem einfach alle Saiten bis auf den gewünschten Akkord abdämpfen, und den Rest dann anschlagen. Kurz: Von jedem Anfänger mit halbwegs Rhythmus-Gefühl einfach spielbar. Bekannt ist die Autoharp hier vielleicht aus dem Film „Walk the Line“. June Carter, die Ehefrau von Johnny Cash, war ziemlich gut mit der Autoharp – und hat angeblich „Ring of Fire“ darauf komponiert.

Om36 in Vintage & Pawn-Shop: Suzuki Omnichord

Zurück zum Omnichord: Das Omnichord ist die Synthie-Version der Autoharp. Soundmäßig erinnert es an alte Billig-Keyboards wie das Casio PT oder VL Serie. Gespielt wird es mit der „Strum Plate“ – einer Reihe von Metallkontakten, die wie die Saiten der Autoharp angeordnet sind – sowie Akkord-Knöpfen. Die meisten Modelle haben eine simple Drum-Machine, bzw. Rhythm-Samples,  sowie eine Begleit-Automatik: Sobald man einen Akkord-Knopf drückt, wird im Hintergrund bereits ein billiger String-Sound gespielt, dazu kann man dann mit dem Finger Arpeggien auf der Strum Plate spielen. Anfang der Achtziger scheint die Hochzeit des Omnichord gewesen zu sein, 1981 kam das erste Modell auf den Markt. Aber: Suzuki hat nie aufgehört sie zu produzieren. Anfang der neunziger erhielt die zweite Generation Midi, heute heißen sie Q-Chord, sehen unfassbar bescheuert futuristisch aus, und haben wie genau jedes gute Heimkeyboard Gimmicks wie Songcards und Demosong.

In den USA findet man Omnichords noch relativ häufig auf eBay und in Pawn-Shops, laut den Mädels von Royalchord für ca. 300 $. In Deutschland hab ich direkt nach dem Konzert zwei vom selben Anbieter gesehen, die für ungefähr den selben Preis in Euro weggingen.  Die aktuellen Q-Chord Modelle kosten hier etwa 400€. In Demovideos klingen sie ähnlich wie die entsprechend billigen Keyboards, sind aber als Midi-Controller sicher interessant. Die alten Varianten klingen auf jeden Fall unfassbar cool vintage-trashy, zum Beispiel für Elektropop a lá Suburban Kids with Biblical Names oder Casiotone for the Painfully alone. Dazu kommen sie noch in einer stylischen silbernen Tasche, die an einen Tennisschläger erinnert…

Bekannte Omnichord-Spieler sind übrigens Brian Eno und David Bowie, letzteren hört man hier mit Omnichord den Paul Simon Song America singen, auf dem Benefizkonzert fürs NYPD nach 9/11.

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